Action-Horst (3): Wolfsspinnen zum Frühstück

horst3.jpgGeheimversteck Wolfsspinne. Um Weihnachten herum. Horst war mit Heidi zusammen. Einer aufgeweckten, blonden Fachverkäuferin. Sie waren ein ideales Paar. Sie war eine Frau der kein gesunder Mann widerstehen kann und er, Action Horst, Superagent, Millionär, Praktiker und ein ausgezeichneter Liebhaber – ausdauernd und zärtlich, manchmal auch begierig sein Recht verlangend, aber niemals plump.

Sie lagen im Unterschlupf auf dem Bett. Seine zweite Hand kam seiner ersten zu Hilfe. Zusammen versuchten sie das winzige Textil abzustreifen das im Weg war. Plötzlich ein Mißton: Telefon. So ein scheiß, dachte Horst. Sie wollte sich aufsetzen, doch Horst drückte sie sanft aber entschieden wieder auf das Bett zurück.
„Wir sind beide nicht da, Heidi, wie sind im siebenten Himmel“, sprach Horst. Das war so ganz richtig nicht, aber romantisch. Doch das verflixte Telefon machte weiter Krach. Die schöne Stimmung war kaputt. Es tut mir Leid Heidi, du weißt wie gern ich Liebe mit Dir mache, aber… Wieder das Telefon. Ring-Ring.

„Rainer!“ Horst benutze manchmal einen Decknamen. Rainer war so ein Deckname. Die Stimme am anderen Ende gehörte Scheich Cock Supreme, ein kluger und sehr reicher Mann. Horst hatte mehrfach mit ihm geschlafen ohne es zu wissen. Der Scheich hatte sich damals perfekt als Vollfrau getarnt und war damit einem Anschlag von Freiheitskämpfern entgangen.
„John Smith am Apparat. Sie haben ihr Geld noch nicht abgeholt. Der Schlüssel ist in der Post“. Dann hängte er ein.

Cock Supreme benutze auch einen Decknamen, hier also John Smith. Ein sehr beliebter Deckname. Ach das liebe Geld, Horst hatte ganz vergessen es abzuholen. Ein seltsamer Auftrag war das gewesen, damals. Er sollte Cock Supreme während seines Aufenthaltes im Big Apple beschützen, aber Cock traf nie in New York ein.
Das dachte zumindest Action Horst, der noch immer nicht wusste, daß die angebliche Vollfrau mit der er eine Woche lang Liebe gehabt hatte kein geringerer war als Scheich Kaleb Cock Supreme im Vollfrau Tarnkleid. Ein sehr kluger Mann dieser Supreme. Darum begriff Horst auch nicht warum er den vollen Betrag erhalten sollte, hatte er doch gar keine Gelegenheit gehabt, wie er immer noch glaubte, Cock Supreme vor den Freiheitskämpfern zu beschützen. Naja, aber wenn er es will, dann will ich nicht nein sagen, dachte sich Horst. Geld bleibt Geld und wenn man viel hat kann man sich eine Menge Sachen kaufen.

Als Horst aufstand und seine Hose zu machte, wurde Heidi wütend: „Das darf doch nicht wahr sein!“ sagte sie empört und stampfte mit dem Fuß auf. Sie wollte immer noch Liebe. Horst nahm dies nur gedämpft wahr. Seine volle Konzentration war auf das ihm zugesagte Geld gerichtet. Er würde nach einem exakten Plan vorgehen. Horst hatte keine Probleme mit Zufällen umzugehen, aber sie entsprachen nicht seinem Naturell. Die Außenwelt mochte eine Menge Zufälle produzieren und er verstand es stets diese aufs beste zu meistern, aber er selbst wollte sich aus diesem trügerischen Geschäft raushalten.

Erstmal betrat er die moderne Horizontaldusche, die in seinen Unterschlupf integriert war. Längst hatte die Dusche, die eine Sonderanfertigung war, den Reiz des neuen verloren. Er konnte sie nicht mehr sehen, aber er hatte jetzt keine Zeit für Umbauten. Horst machte Wechselduschen um den Kreislauf in Schwung zu bringen. Dann ging er zum Postkasten. Der Schlüssel steckte in einem pechschwarzen Kuvert. Ein normaler Schließfachschlüßel. John Smith alias Scheich Kaleb Supreme Cock war also kein Lügner.

Mit seinem zweiten Spezialwagen, einem Ford Fiesta Sondermodell „Lambada Tropicana“ preschte Horst die ausgeschilderte Bundesstraße runter. Am Flughafen angekommen musste Horst dringend auf Toilette. Ein schmutziger alter Mann verhielt sich sonderbar. Horst dachte an Onanie, aber er hatte jetzt keine Zeit den Fall zu untersuchen, nichtmal für umbringen hatte er jetzt Zeit. Wieso eigentlich nicht? Hatte Supreme ihm ein Zeitlimit gesetzt? Hatte er gesagt schnell schnell? Nein. Horst hatte also alle Zeit der Welt. Horst zwang den Alten eine hochwirksame Vitaminbombe einzunehmen. Die würde ihn wieder aufpäppeln. Viel Vitamin B12, allerlei Spurenelemente und Unmengen Anhalonium. Horst fuhr in einem gläsernen Aufzug auf und ab, benutze eine hochmoderne Rolltreppe, durchschritt automatische Glastüren und kam an ein paar ausgesprochen ansehnlichen Ladys vorbei. Ein paar davon sogar Vollfrauen mit den hohen Dingern. Dann stand er vor dem Schließfach. Horst erschloss es. Innen, so ist das meistens, ein Aluminiumkoffer mittleren Formats der Koffermarke Rimova. Horst stellte den Zahlencode auf 1608. Madonnas Geburtstag. Der Koffer ließ sich öffnen. Im Innern eine Menge amerikanische Dollars und: Ein Kuvert.

Horst sah sich nach allen Richtungen um. Er war Profi und wusste aus Erfahrung das in solchen Situationen häufig umgebracht wird. Er selbst hatte schon mehrmals einen vermeintlichen „Schließfacherben“, wie Horst diese armen Seelen nannte, ins Jenseits befördert. Also: Nicht lange rumlungern, erstmal nach Hause.

Heidi wartete auf ihn in eindeutiger Pose, so das Horst erstmal das Kuvert vergaß. Er hatte alle Zeit der Welt, also konnte er genauso gut erstmal Liebe machen. Sie hatte es sich auf einen der roten Barhocker bequem gemacht und war splitterfasernackt. Ihre Haut war immer noch nahtlos braun und duftete nach einer französischen Seife namens Lolita-2000. Horst warf sie aufs Bett, wie so viele Male zuvor, und los gings. Heidi quickte wollüstig. DANACH öffnete Horst den Briefumschlag. Einer plötzlichen Eingebung folgend.

Der Inhalt ließ ihn erschaudern, mehr als das, es war das schlimmste und schrecklichste das Horst je in seinem ganzen Leben gesehen hatte. Eine Fotostrecke zeigte deutlich die Verwandlung von Scheich Kaleb Supreme Cock in Demi Moore. Auf dem letzten Bild stand mit rosa Lackedding geschrieben: Vielen Dank für Ihre Dienste, Ihr John Smith.

Horst wusste nicht ein noch aus. Er war wie gelähmt. Erstmal warf er Heidi raus. Er musste jetzt allein sein. Dann war er allein. Bittere Tränen kamen aus seinen Augen. In der Nacht träumte Horst wie er gefesselt in einem Stuhl saß während ihn ein Wesen halb Supreme, halb Demi Moore (die amerikanische Schauspielerin) mit seltsamen haarigen Dingen fütterte. Dann erst sah er was es war: Wolfsspinnen im eigenen Fett gebraten. Schweißnass erwachte Horst. Lange blickte er in das nächtliche Dunkel seines Unterschlupfes. Immer mehr überkam Horst ein überwältigendes Gefühl, bis es ihn schließlich ganz erfüllte und herausstrahlte aus seiner Stirn und einen glutroten Lichtpunkt auf die samtige Wand warf. Horst war nicht mehr ganz derselbe wie noch kurz davor. Horst hatte nun ein Ziel. Ein echtes Ziel. Und das, ja das, ist ganz und gar was anderes wie den Scheiß den er vorher immer gemacht hatte. Das waren Jobs! Broterwerb! Nun hatte Horst ein verdammtes Ziel! Ein Superziel! Werdet ihr schon sehen… Autor: Marc Alborzian

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