Action-Horst (5): Stöckelschuhe im Aufwind

horststockel.jpgAction-Horst betrat eine Telefonkabine. Die Nummer die er wählte kannte er auswendig. Action-Horst Gedächtnisleistungen hatten ihm bereits in sehr frühen Jahren anerkennende Blicke eingebracht. Manche Frauen macht es heiß, wenn sie glauben ihr Bettgenosse habe auch etwas „in der Birne“. Horst schmunzelte. Wenn er an Frauen dachte musste er unwillkürlich an Stöckelschuhe denken. Das Geräusch stöckelnder Stöckelschuhe hatte ihn schon einige Male fast um seinen Verstand gebracht. Auf der anderen Seite tutete es. Tuttut. Er mochte das Geräusch nicht. Es zwang ihn in die Position des Wartenden. Horst war es gewohnt selbst zu entscheiden wann etwas geschiet und wann nicht und darum legte er auf. Horst war es langweilig. Erstmal eine Frau suchen.

 

In der City gab es ein paar flotte Bienen, aber Horst hatte heute keine Geduld für diese „Anklopfspielchen“. Mit seinem schwarzen City-Flitzer der italienischen Automarke Fiat jagte Horst um die Häuser. Da gab es diese Straße wo die Frauen standen und die für ein kleines Entgeld gerne bereit waren sich auf Sexualität mit Unbekannten einzulassen. Ganz richtig: Nutten! Horst war für sie kein eigentlich Unbekannter, aber er bezahlte trotzdem meistens.
Das Mädchen fiel ihm bereits von weiten auf: Ihr sehr weiblicher Körper steckte in einem engen Lackkostüm. Weißer Lack. Sie trug diese sehr hohen Stöckelschuhe die das Blut eines jeden gesunden Mannes zur Wallung brachten. Ihre Lippen waren dick und rot wie ein Omnibus, ihre Nase klein und fein und blass wie ihre ganze Haut. Ihre blonde Löwenmähne lag schwer auf ihren nackten Schultern. Horst spürte Blut in das gewisse Körperteil schießen. Ein einziges Rauschen war das, herjeh! Ein älterer Herr mit grauen Schläfen kam ihm zuvor. Er sprach mit dem Mädchen, wahrscheinlich über Preise. Horst brachte seinen City-Flitzer direkt auf dem Körper des Mannes zum stehen. Als Horst die Tür aufmachte um das etwas verschreckte Mädchen in das Wageninnere zu ziehen, hörte er das Röcheln des Mannes der schwerverletzt unter seinen Wagen lag.
Für Horst klang das wie das Jammern einer Katze aus der Nachbarschaft wenn man schlafen will. Es stört und irgendwann wird man wütend. Um das Mädchen zu beruhigen gab Horst ihr tausend Mark. Er würde ihr diese später wieder abnehmen. Horst erreichte seinen Unterschlupf ohne Umwege. Um das Mädchen war es still geworden. Horst war auch nicht nach vielen Worten.

 

Im Vorgarten des Unterschlupfes roch es streng. Die Ursache war eine Frauenleiche die Horst vor ein paar Tagen in seinen geräumigen Briefkasten deponiert hatte. Erstmal reingehen. Im Unterschlupf ein einziges Durcheinander. Dinge lagen durcheinander auf dem Boden, Möbel waren verrückt, Bilder waren von der Wand gefallen, Essensreste trockneten an der roten Samttapete. Das passte so gar nicht zu Horst, dem Superagenten. Aber wie sagt man so schön: Ausnahmen bestätigen die Regel.
Sie küssten sich. Es war ein Kuss, der das Versprechen auf mehr bereits in sich barg. „Ein Kuss ist wie ein Whiskey, am liebsten hat man ihn doppelt“, sagte Horst. Dieser Wunsch wurde ebenso erfüllt wie die Wünsche, die ihm anschließend einfielen. Schweinekram.
Der Hunger weckte Horst am nächsten Morgen. Horst rollte sich zur Seite und kam auf der Frau zu liegen, die noch schlief. Horst spürte die Wärme ihres Körpers und die Muskeln, die auch im Schlaf hart und geschmeidig zugleich wirkten. Horst griff nach dem Hörer um sich bei Flitze-Pizze eine Calzone Pizzatasche zu bestellen. Da kriegt man am meisten Belag für sein Geld. Die Frau unter Horst bewegte sich wimmernd im Halbschlaf. Brüssel war am anderen Ende der Leitung.
Horst hatte sich verwählt. Das war ihm auch noch nie passiert. Der Mann aus Brüssel sprach Englisch mit einem stark französischen Akzent: „Es läuft alles programmgemäß“ tönte es aus der Muschel. Das Mädchen hatte jetzt aufgehört zu murren. Sie hatte sich an das Gewicht das Mannes der auf ihr lag gewöhnt. Horst sprach ein paar Worte mit Brüssel, dann hängte er ein. Horst schämte sich. Da er dieses Gefühl bei sich nicht kannte, glaubte er es wäre eine Geschlechtskrankheit. Das hatte er sich von der Frau geholt! Jetzt wurde er aber wirklich sauer. Horst jagte sie ohne Kleider aus seinem Unterschlupf. Nur diese hohen Dinger hatte sie angehabt, aber die hatte sie ja auch gar nicht ausgezogen. Nachdem Flitze-Pizze eine gute Calzone gebracht hatte, sah Horst wieder klar: Erstmal aufräumen. Nach ein paar effektiven Aufräumaktionen fiel Horst eine Papierserviette des Franchiseunternehmes Maredo in die Hände. Darauf stand in seiner eigenen Handschrift zu lesen: 1) Gorbatshow umbringen – 2) Neuen Unterschlupf einrichten – 3) Die schlimme Schmach aus dem Gesicht waschen.
Das erklärte einiges. Man muss sich nur an seine eigenen Pläne halten, dachte Horst. Einmal was anderes gedacht, was wichtiges vergessen, schon ist alles im Argen. Aber Horst war wieder voll da und er wusste er wäre nicht er selbst, würde es ihm nicht gelingen die Sache in den Griff zu bekommen. Punkt für Punkt für Punkt. Zunächst also: Gorbatshow umbringen. Das war wirklich wichtig. Der Mann wusste einfach zuviel. Zuviel ist ja nie gut. Wer zuviel Schokolade ist wird fett und träge und bekommt Karies, wer zuviel weiß muss sterben. Aktio = Reaktio.

 

Horst machte sich etwa zurecht, steckte eine große Handfeuerwaffe der Marke „Desert Eagle“ ein und los gings zum Maredo. Und jetzt kommt’s dicke: Da wo vorher der Maredo war, war nun kein Maredo mehr, sondern eine moderne Expressreinigung. Sauber, Sauber, dachte Horst und er musste sich aufs schmerzlichste eingestehen, dass man einen Mann, der es fertiggebracht hatte den ganzen Ostblock in die Scheiße zu reiten, niemals unterschätzen darf…

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