Action-Horst (7): Nutznießer der Krise

horst7.jpgEin Polizeiauto mit heulenden Sirenen fuhr vorneweg. Dann folgte der Panzerwagen. Hinter diesem Fahrzeug sicherten zwei Polizisten auf schnellen grünen Motorädern die Startbahn. Knappe drei Minuten später donnerte die Maschine über die Betonpiste, hob elegant vom Himmel ab und stieg steil in den Himmel von Deutschland. Von der Besucherterrasse aus beobachte aufmerksam ein Mann mit einem Fernglas die Maschine, die mit Edelsteinen im Wert von 2 Millionen US-Dollars an Bord in den Wolken verschwand. Der Mann mit dem Fernglas war kein geringerer als unser guter Freund Horst.
„Letzter Aufruf für den Flug neun-drei-acht der PanAm nach Chicagohoho!“. Blechern und unpersönlich hallte die Lautsprecherdurchsage über die Köpfe der Leute hinweg. Diese Durchsage hatte Horst gegolten. Sie war der Startschuss für seinen Einsatz, und sie war fingiert. Horst wollte sich gerade in Bewegung setzen um den genau berechneten Aktionsplan zu realisieren, da schellte sein mobiles Telefon.

 

„Ich liege im Bett und denke an Dich“. Es war Mary, das bayerische Mädchen und das waren keine fingierten Worte. Das war Liebe. Die parfümierte Weichheit des Daunenkissens war unter Ihrer Wange.
„Ich Dich auch!“ sagte Horst. Gerne hätte er mehr geredet und geredet, aber es wurde höchste Zeit das Gespräch zu beenden.

 

Horst betrat eine Toilette und ging sofort in die Kabine. Als er nach genau einer Minute und zehn Sekunden wieder herauskam, trug er den grau-blauen Overall eines Flughafenarbeiters und eine dunkelblaue Schirmmütze mit dem Schriftzug: Athen-2000: Fest der Völker. Dann rannte er die Gänge lang. Überall Reisende. Reisende Männer, reisende Frauen, reisende Kinder und Familien mit Kindern und ein paar Tiere in Karantäne-Boxen. Eis wurde auch gegessen und natürlich erinnerte das Horst an dieses Lied, so schmeckt der Sommer, und er musste an Mary denken, das bayrische Mädchen, das er liebte. Die schmeckt auch gut, dachte er.

 

Horst erreichte die Zielperson gerade noch rechtzeitig: Einen kleinen untersetzten Mann mit einem aggressiv wirkenden Ananas-Gesicht. „Ganz schöner Betrieb“ sagte das Pickelgesicht. Horst nickte. „Zu Beginn der Ferienzeit ist hier immer die Hölle los.“ Ein scheinbar belangloser Wortwechsel. Der Gedanke, dass hier Losungsworte ausgetauscht wurden, klang absurd. Und doch war es so. Dann trennten sich ihre Wege.

 

Horst kaufte im Duty-Free-Shop noch ein teures Parfüm für Mary und extra schlanke Mentholzigaretten. Mary rauchte nicht, aber sie war alt genug, vielleicht würde sie mal Lust bekommen damit anzufangen und dann hätte Horst welche da.

 

Als Horst den Unterschlupft erreichte wurde er bereits erwartet. Mary knabberte zärtlich am Zeigefinger von Horst, den er ihr lächelnd entgegenhielt. Er kitzelte sie daraufhin mit dem anderen Zeigefinger an der Taille. Mary schnurrte und gurrte. Nur wenig später wand sie sich auf ihm wie eine Schlange. Das ganze ABC der Tiere machten sie durch. Ein einziges Kuscheln und Knuffeln war das. Nachdem Horst ihr zwischendrin stolz die Riesenflasche Parfüm präsentiert hatte, fuhren sie fort. Mary schloss die Augen. Horst hatte ihre Brüste mit beiden Händen umfasst und drückte sein Gesicht mal wieder in den duftenden Spalt, der sich dazwischen auftat.

 

Das Telefon schlug an. So ein Mist! Horst rückte das Mädchen zur Seite und meldete sich. Am anderen Ende der Leitung ertönte seine Stimme als lieblicher Weiber Sopran: „Susi…sie wünschen?“. Das war keine Hexerei, sondern das Werk eines kleinen Gerätes, das Horst selbst gebaut hatte. Den Horst-Mulator musste man einfach vor die Sprechmuschel halten und reinsprechen und dann wurde Horsts warme männliche Baritonstimme in eine typische Weiberstimme transformiert.

 

„Nackt wirst Du berühmt!“ sprach die Stimme von der anderen Seite. Horst erkannte sie sofort. Es handelte sich um die Stimme von Richard Kiel – Horsts besten Freund. Nackt wirst Du berühmt hieß: Ich hoffe dir geht es gut, ich bin in der Stadt und würde dich gerne treffen. Auf diese Weise verabredeten sie einen Treffpunkt. Das dauerte ein bisschen, denn Horst musste Richard erst klar machen, das der Treffpunkt M, das Maredo Staekhaus, nicht mehr benutzbar ist, weil dieses von dem mittlerweile von Horst umgebrachten Gorbatschow, durch eine Express-Reinigung ersetzt worden war. Nachdem Horst eingehängt hatte, versank er in der blütenzarten Weichheit seiner Biergarten-Liebe.

 

Am nächsten Tag traf Horst seinen Freund und Kampfgefährten gegen das Verbrechen Richard in einem kleinen ökologisch geführten Studentenkaffee. Die Bedienung hier war nicht gerade nach Horst seinem Geschmack mit ihrem rappelkurzen Haaren und ihren herunterhängen Schlabberlook der die Reste ihrer weiblichen Kurven vollends unter sich begrub, aber so war man wenigstens nicht abgelenkt. Richard hatte viel zu erzählen.

 

Aus Richards Mund fielen Sätze wie: „Sie betteln, sie stehlen und sie rauben Betrunkene aus! Eltern lassen Ihre Kinder nicht mehr auf die Straße, Ehemänner haben Angst um ihre Frauen! Die Angst ist überall! Kriecht in jedes Haus, in jedes Herz! Keiner kann garantieren das es nicht wieder passiert! Hörst Du mir überhaupt zu?“
„Ja, Richard. Kälte und Kälte und nichts als Kälte! Fressen und gefressen werden! Wir müssen endlich die alte Lebenslogik in eine humane Gesetzgebung transferieren!“ Richard nickte. Wir sind ja sooo einig, dachte er, und sein Herz wurde für einen kurzen Augenblick warm. Ein warmes Herz in einer kalten Zeit. Richard war sehr sensibel. Trotzdem ein Zupackertyp. Im Gegensatz zu Horst vielleicht etwas asketischer und vielleicht sogar noch einen Tick idealistischer.

 

Später verabschiedeten sie sich mit einem festen und warmen Händedruck. Männerfreundschaft kann man ja nicht vergleichen mit dem was Frauen unter sich so Freundschaft nennen. Das steht auf einem ganz anderen Blatt. Jeder gesunde Mann wird dem zustimmen. So was ging Horst auf der Rückfahrt durch den Kopf. Das gute Gespräch mit Richard hatte ihm für einen Augenblick sogar Mary vergessen lassen. Er hatte diese Momente genossen. Diese klaren, aufrichtigen, unparfümierten Gedanken. Horst wollte nun auch nicht mehr ausschießen das Mary eine Agentin war, die man auf ihn angesetzt hatte. Natürlich musste Horst an die schlimme Schmach denken, die ihm Kaleb Supreme Cock zugefügt hatte. Horst wurde übel bei dem Gedanken.

 

Mary erwartete Horst wie immer in irgendeiner verführerischen Pose. Als Horst nicht so reagierte wie sie sich das in ihrem hübschen Köpfchen ausgedacht hatte, frug sie: „Und war es gut das Gespräch mit Richard?“. Horst hatte ihr kurz und knapp von Richard erzählt. Vermutlich war das bereits zuviel gewesen. Zu spät.
„Ja wir haben uns gut unterhalten“
„Über was habt ihr euch denn so unterhalten?“ bohrte sie weiter.
Horst musste Luft holen. Er hatte mit einer weitergehenden Frage nicht gerechnet gehabt. „Wir…wir haben uns über die emotionale Überreaktion der Märkte unterhalten und…“
„…und wer ist nun…Nutznießer der Krise?“ ergänzte Mary schlau und leitete damit Horsts halbgaren Halbsatz in eine knallharte Frage. Horst war beeindruckt. Diese bayrische Biergarten Maid trug mehr Sinn und Verstand auf ihren Luxuskörper durch die Gegend als er angenommen hatte. Eine ganze weile standen sie nur lächelnd voreinander rum, dann fielen sie übereinander her wie zwei wildgewordene Affen.

 

Da haben sich zwei gefunden, schmunzelte Gott, der das intime Geschehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge, den beiden Seiten unseres bipolaren Universums, verfolgte… Mehr Action von Autor Marc Alborzian hier!

Literatur (überwiegend) ohne Fickabsichten und Zeitkritik auf glanzundelend.de

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Eine Antwort to “Action-Horst (7): Nutznießer der Krise”

  1. Anika Lindtner Says:

    pssst…beobachteTE…;-)

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