Action-Horst (8): Ladys-Night

horst8.jpgLadys Night im Big-Eden. Die Klänge von Black Sabbath, den größten Rockern aller Zeiten, erfüllten den Raum. Die Lady die sich mit wiegenden Hüften und wippenden Brüsten näherte, war in der Branche keine eigentlich unbekannte. Lady-X war ein weiblicher Top-Agent. Eine Top-Agentin. Ihre Waffen waren ungewöhnlich: Schönheit, Verführungskunst und eine eiserne Handkante. Die Schar junger Männer, die ihr unverhohlen den Hof machten, vervollständigten das Image, das ihre Umwelt ihr gegeben hatte.

Sie warf Horst einen viel sagenden Blick zu. Eifersüchtige Blicke musterten Horst aus der Deckung heraus. Sie gehörten zu einem jungen Pickelknaben der sich eingebildet hatte er hätte auch nur die geringste Chance bei einer Vollfrau wie Lady-X. Sein jugendlicher Eifer sollte ihm das Leben kosten. Aber dazu später.
„Lady-X…lange nicht gesehen!“
„Horstibaby!“ hauchte sie. Sie waren sich jetzt ganz nah. Allein in einem winzigen imaginären Raum aus Parfüm und Black-Sabbath.

Als der Disk-Jockey ein Lied der deutschen Künstlerin Juliane Werding auflegte, die in der Schlagerszene eine Größte ist, betraten sie einer gemeinsamen Empfindung folgend die Tanzfläche. Dort tanzten sie für die Dauer von zwei Liedern eng. Was nach außen hin wie das glückliche Zusammentreffen zweier heißer Menschen aussah, war in Wirklichkeit der Austausch von verschlüsselten Botschaften: Namen von Personen, Verstecke, Baupläne. Jede noch so kleinste Körperbewegung ein Code der nur ihnen geläufig war.

Dann verließen sie das Eden und begaben sich in ein nahes Parkhaus wo sie ihre Wägen geparkt hatten. Ein langer Kuss bestätigte das gesagte. Das war dem jungen Hitzkopf der in einer dunklen Ecke gelauert hatte, wohl zuviel. Der Pickelknabe stürzte bewaffnet mit einer rostigen Eisenkette aus seinem schmutzigen Versteck und attackierte Horst. Eine Schlägerei entbrannte bei welcher der verliebte Pickelknabe nicht den Hauch einer Chance hatte.

Der Bursche würgte und schnappte nach Luft. Dem Käsegehalt seines Gesichtes nach zu schließen, musste es ihm ganz schön dreckig gehen. Nichts deutete darauf hin, das Horst seine Gedanken in Wirklichkeit ganz woanders waren. Nämlich auf dem Kennedy Airport von New York, wo in diesen Sekunden der größte Edelsteinraub der Kriminalgeschichte über die Bühne ging, aber Horst war im Parkhaus des Big-Eden und nicht im Big-Apple, also würde ihm der Job wohl oder übel durch die Lappen gehen.
„Horsti! Das Bübchen ist jetzt tot. Du kannst ihn loslassen.“
„Du hast recht…“. Der Ordnung halber verstaute Horst die Leiche in seinem Kofferraum. Dann verabschiedete er sich von Lady-X mit einem langen Kuss. Keine Botschaft, sondern ein Zeichen tiefer Verbundenheit. Früher einmal wäre dies der selbstverständliche Auftakt einer heißen Nacht gewesen, aber heute war das anders. Horst hatte ein Mädchen das auf ihn wartete: Mary.

Sein Herz brannte darauf sie zu sehen, aber vorher musste er noch ein Geschäft machen. Mit Verbrechern. In der Zentrale der Verbrecher saß ein älterer Herr vor einer großen Rechenmaschine und addierte Zahlenkolonnen. Seine unnatürlich blauen Augen blitzten gefährlich.
„Die Kombination, wirds bald!“ motzte Horst.
„Es ist eine Wort-Zahlenkombination. Sie lautet Kennedy eins-neun-sechs-drei“
„Das Todesjahr des Präsidenten der vereinigen Staaten von Amerika?“
Der Alte nickte schwach.
„Was soll denn der Blödsinn mich so lange in der Hitze stehen zu lassen?“ maulte Horst scheinbar zusammenhanglos, aber es war tatsächlich schrecklich warm in der Verbrecher Zentrale.

Die Augen des Alten blitzen vor sich hin. Horst hätte ihm am liebsten den runzeligen Hals umgedreht, aber das hätte ihm eine menge Scherereien eingebracht.
Dieser offene Konflikt brachte in Horst etwas in Aufruhr. Auf der Fahrt zu seinem Unterschlupf gingen ihm mehrere Dinge durch den Kopf. Dinge die über sein eigenes Leben weit hinausgingen, Gedanken die uns alle angehen. Horst wurde klar: Mehrere Dinge sind zusammen gekommen und haben ein explosives Gemisch ergeben. So. Punkt. Weiter: Unter dem zugkräftigen Slogan „Deutschland ist wieder wer!“ wurde eine Menge verdrängt. Die Wahrheit sah leider anders aus: Die Täter werden reich, die Opfer landen im Dreck. Eiskalt, knallhart und unerbittlich.

Im Unterschlupf angekommen vermochte ihn auch nicht der appetitliche Anblick von Marys halb entblößten Körper auf andere Gedanken bringen. Jetzt sah er in Mary nur einen Menschen dem er seine klaren Gedanken nahe bringen wollte: „Mary! Siehst Du ES den nicht! Falsche pädagogische Konzepte haben gegriffen und nun haben wir den Salat! Man hat den Kindern immer und immer wieder gesagt man müsse Konflikte offen austragen, da man sonst Pickel, oder schlimmer noch, Krebs, kriegen würde! Die Kinder taten was man ihnen sagte und irgendwann war es untrennbar mit ihnen verbunden! Klebte an ihnen wie Hundescheiße!“

Mary aber wollte von Politik nichts wissen. Unter diesen Bedingungen wollte sie mit ihm nicht mehr zusammen sein. Mary packte ihre wenigen Sachen, strich ihren modischen Rock glatt und verließ Horst und den Unterschlupf ohne ein Wort des Dankes. Horst blieb mit seinen Gedanken allein und musste ohne Essen ins Bett. In der Nacht träumte Horst, er sei gefangen in einem Netz aus Intrigen. Am morgen erwachte Horst mit verklebten Haaren und nicht minder verklebten Vorstellung was zu tun ist. Er war mit einem Kaugummi im Mund eingeschlafen, der Kaugummi war ihm im Schlaf aus dem Mund gefallen, Horst hatte seinen behaarten Kopf darin gewälzt und so sah es jetzt aus. Das wächst sich aus, dachte Horst dem jetzt andere Dinge wichtiger waren als seine persönliche Eitelkeit, und dann brachte er das aufs Blatt was in seinem Gehirn bereits in Stein gemeißelt war:

Meine Lösungen aus der Krise:
1. Phase: Rechtsanwälte, Lehrer und Sozialarbeiter abhören
2. Phase: Robotik & Navigation – ein intelligentes Instrument in der Hand des Experten- muss Experten in die Hände gelegt werden
3. Phase: Sprache vereinfachen, um so das deutsche Strebertrauma wirksam auszumerzen
4. Phase: Der Bundespräsident wird nicht mehr von den Politikern, sondern direkt vom Volk gewählt und mit den klassischen Kompetenzen eines Staatsoberhauptes ausgestattet. Er schlägt dem Parlament den Kanzler vor und ernennt die Minister, er leitet die Kabinettssitzungen, er ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte und er hat das Recht zur Auflösung des Bundestages.

Mary hatte er längst vergessen. Gesunder Realismus war Horst scheiße wichtig. Das wahrscheinlich einzige Lebenselixier innerhalb einer grausamen Umwelt. Der vollständge Horst auf texxxt.de

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