München lädt ein zur YouPorn-Party

youpornparty1.jpgVor einer Woche lief ich in München an diesem Plakat vorbei und dachte: Aha, Nachbarn beim Ficken zugucken ist nun ganz in der Gesellschaft angekommen. Ganz in der Mitte. Denn mehr Mitte als Schrannenhalle geht kaum. Ein Treffpunkt für Jung und Alt im Herzen Münchens. Also im Grunde so wie youporn: Die Alten stellen ihre Hängetitten- und Bierbäuche- Wohnzimmer-Pornos ein und die Achtjährigen (wenn das mal nicht zu hoch gegriffen ist) gucken sich das zwischen Fischstäbchen und Sexrichter Alexander Hold an. Was nach Satire klingt ist Realität und noch gar nicht bunt ausgemalt. Und es ist wohl die Zukunft, zumindest die nähere, unserer Jugend. Also uns, wir, alle, irgendwie. Aus Recherchegründen werde ich wohl hingehen und dort eines der üblichen Provinzdisko-Konzepte vorfinden, wo es ja schon seit bald Jahrzehnten üblich ist ein paar Nachtarbeiter zwischen Künstler-Sozialkasse und Straßenstrich mit Glückklee-Fertigsahne rumhupfen zu lassen. Die Frage ist natürlich: Wird da wirklich gefickt? In aufgeklappten Lederhosen? Und dann? Machen dann alle mit? Natürlich nicht, denn wir sind nicht im alten Rom. Heute lässt man Ficken und guckt zu. Ob das hilft? Was sagt eigentlich die SZ dazu? Das:

 

„Wir sind kein Sextempel“

 

Die Aufregung um die „Youporn-Party“ im Schrannenclub geht weiter. Politiker aller Parteien sind besorgt um den Ruf der Schrannenhalle. Von Christian Mayer

Tanzabende haben es ja manchmal an sich, dass man hinterher leicht benommen nach Hause geht. Bei dieser Clubnacht verhält sich die Sache aber genau andersherum: Die beteiligten Personen wirken bereits vor Beginn restlos überdreht. Grund für die Aufregung ist die „Youporn“-Party am Samstag, die von der Agentur „Randomevents“ veranstaltet wird – und zwar nicht, wie in einigen Blättern zu lesen war, in der Schrannenhalle selbst, sondern im Keller des Gebäudes. Vor allem CSU-Stadtrat Richard Quaas hatte sich empört darüber geäußert, dass die Party – lizensiert von einem amerikanischen Pornoportal – überhaupt stattfinden darf, und das mitten im Zentrum. Bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz sah sich Geschäftsführer Klaus Lochbihler veranlasst, sich erst mal in aller Form bei den Marktkaufleuten in der Schrannenhalle zu entschuldigen – allerdings nicht für sein eigenes Fehlverhalten, sondern für das der Medien. Lochbihler bat um Verzeihung für die angeblich sensationsgeilen Berichte in zwei Boulevardzeitungen. Von einer Pornoparty in der Schrannenhalle könne überhaupt keine Rede sein, der Keller liege schließlich vier Meter unter der Erde, Live-Acts oder andere verbotene Darbietungen seien nie geplant gewesen, und das Fest sei auch nicht Teil des Kulturprogramms.

„Die Mitarbeiter bei uns arbeiten nicht in einem Sextempel“, sagte der Geschäftsführer, der das Treiben Samstagnacht persönlich überwachen will, „selbst wenn das eigentlich gar nicht meine Absicht war“.

youpornskandal.jpgUnd Nachtagenten.de führte ein Interview mit dem supercoolen Veranstalter. Der natürlich auch recht, aus seiner Sicht, so wie jeder Recht hat der IRGENDEIND Geschäft betreibt, irgendwie: Interview vom 8. November 2007 mit Veranstalter der You Porn-Party: Noma I. von Randomevents

Nachtagenten: Youporn.com regelt den Zutritt auf der Internetseite lediglich mit einem Hinweis, dass der Zutritt erst ab 18 erlaubt ist und durch das Drücken eines „Enter“-Buttons ist der Weg auf die Seite frei.
Was sind Ihre Vorkehrungen, um bei der Veranstaltung zu gewährleisten, keine minderjährigen Besuchern Eintritt zu gewähren?

 

Noma I.: Wir haben einen der erfahrensten Türsteher der Stadt engagiert. Strikte Ausweiskontrollen sind vorgegeben, wer sich nicht als volljährig ausweisen kann, wird diese Party auch nicht betreten.

Nachtagenten: „Porno Partys“ gab es in München schon mehrere und gehören sogar schon zum Programm mancher Clubs, jedoch war hier unter „Porno“ lediglich das Outfit der Gäste zu verstehen.
Geht die YouPorn-Party noch einen Schritt weiter Richtung Porno?

 

Noma I.: Kommt vorbei und lasst euch überraschen!

 

Nachtagenten: Werden auf youporn.com Bilder der youporn-Veranstaltung im Schrannenclub erscheinen?

 

Noma I.: Wir haben nichts dagegen, wenn der Besucher in eigener Regie Inhalte und Aufnahmen der Party im Schrannenclub an Youporn weiterleitet. Zum anderen werden auch Fotos auf Nachtagenten.de zu sehen sein.

 

Nachtagenten: Google Deutschland hat die Domain youporn.com zensiert, was waren die Gründe, die dem KVR zur Genehmigung der Party genannt wurden?

 

Noma I.: Wir haben die gleichen Auflagen wie andere Veranstaltungen ähnlicher Mottopartys erhalten und erfüllen diese voll und ganz. Eine Verweigerung für die Durchführung der Party wäre uns gegenüber reine Willkür gewesen.

 

Nachtagenten: Am 20.10. fand eine Hustler-Party und am 20.05 der Katzenpuff mit dem Titel „Die Jagd nach der Goldenen Muschi“ im Schrannenclub statt.
Beide Parties sind in Verbindung oder angelehnt an die Pornoindustrie, doch woher nun die große Aufregung um die YouPorn-Party?

 

Noma I.: Dies ist uns auch unverständlich. Wir sind aber positiv über das Presseecho überrascht. Wir denken, dass es mit der Rechtslage der YouPorn-Seite und der jetzigen Sperrung einiger Provider für den Zugang zu dieser zu tun hat.

Nachtagenten: Klassische Werbung funktioniert schon lange nicht mehr. Bei Parties sind Menschen empfänglicher für Werbung, darum bieten Events schon seit längerer Zeit die ideale Plattform, um den Menschen mit seinem Produkt oder seinem Anliegen zu erreichen, aber vor allem können hier Werbebarrieren (wie z.B. Tabakwerbung) umgangen werden.
Ist die YouPorn-Party auch als werbung für die Seite zu sehen, da ja die Werbung über das Internet wegen der Domainsperre nicht mehr möglich ist?

Noma I.: Die Party als Werbung für die Seite ist ein Tropfen auf dem heißen Stein, denn die Seite ist allein schon von Mund-zu-Mund-Propaganda so bekannt und erfährt so viel Traffic, dass die Party oder auch die Presse, die über die Party gemacht wird, nicht mehr viel an Steigerung der Besucherzahl ausrichtet.

 

Nachtagenten: Sehen Sie Gefahren in Zukunft, dass andere Milieus auf Parties ihre Chance wittern Anhänger zu finden?

 

Noma I.: Die Welt ist böse genug. Wir glauben nicht, dass diese Form von Party eine Nische für anrüchige Milieus irgendeiner Art bietet.

 

Nachtagenten: Vielen Dank für das Interview!

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4 Antworten to “München lädt ein zur YouPorn-Party”

  1. texxxt Says:

    Ich geh doch nicht hin. Sauwetter.

  2. texxxt Says:

    Aber die SZ war da und schreibt:

    …Doch was die mehr oder weniger gierige Masse immer auch erwartet hatte: Sie erlebte nur einen netten, vergleichsweise unspektakulären Clubabend, der allerdings schon um 23 Uhr aus allen Nähten platzte. Nichts, aber auch gar nichts hielt dem Vergleich etwa mit dem lasziven Treiben im Berliner Kit-Kat-Club stand. Auch dem Wahnsinn des Kölner Karnevals oder dem Sodom und Gomorrha auf der Wiesn konnte die gemütliche Feier nicht das Wasser reichen.

    Zwar flimmerten über die zahlreiche Leinwände Pornos in Endlosschleife. Aber gewagter als die künstlich erregten Damen, die sich im Spätprogramm der privaten TV-Sender räkeln, war das auch nicht. Zudem war doch tatsächlich jeder Penis mit einem drolligen, dicken schwarzen Balken zensiert. Später tanzen dann immerhin drei Stripperinnen auf dem Tresen – ihre Höschen aber behalten sie züchtig an. Ganz versprengt haben sich ein paar Gäste, Männchen und Weibchen, in Gummi, Lack und Leder gekleidet – doch zumeist sind es Pärchen, die dann auch eng umklammert blieben.

    Jürgen Lochbihler, Geschäftsführer der Schrannenhalle, verteidigte am Sonntag sowohl die Erotikfilme als auch die leichtbekleideten Gogo-Girls. Von denen seien in jeder Disco mehr zu sehen als bei der Party im Keler der Halle. „Hundsordinär“ sei das Event abgelaufen. Und er fügte hinzu: „Als Besucher würde ich mich fast beschweren.“

    Doch offensichtlich gibt es ein Bedürfnis nach verruchten Partys in de Stadt. Die Veranstalter sollten der CSU dankbar sein. Sie hat ein durchschnittliches Event zu einer Attraktion gemacht. Frei nach folgendem Motto: Porno? Cool!

  3. youporn4life! Says:

    Danke für den ausführlichen Artikel!
    War klar, dass die Politik wieder etwas dagegen hat..
    hätte mich auch gewundert, wenn nicht!

  4. TaptheWire Says:

    Falls bei der nächsten Youporn Party musikalische Unterstützung benötigt wird 🙂

    Für Youporn fahren wir ÜBERALL hin!!!!

    ^^

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