Action-Horst (11): Endlich ein neuer Unterschlupf

tvdinner2.jpgHorst´s neuer Unterschlupf war größer, schöner und besser als sein alter. Horst verfolgte im Leben stets die Devise das man nie einen Schritt zurückgehen darf. Man wird älter, man hat hart gearbeitet, man verdient was man verdient. Und das heißt auch: Nie unter Niveau! Der Unterschlupf verbarg sich unter einer alten Fahrschule die in einer dunklen Ecke einer dunklen Gasse eines Düsseldorfer Randgebietes nur noch wenige Kunden anlockte. Der Unterschlupf bohrte sich mehr als zehn Meter tief unter die Erde und besaß drei Etagen, die alles hatten was man sich wünschen konnte. Nur Tageslicht gab es nicht, dafür aber sehr schöne Lampen von den verschiedensten Designern: Massi, Prassi, Silvio Porno, Canemachina – um nur einige zu nennen. Im Wesentlichen war der Unterschlupf in warmen Brauntönen gehalten, an zentralen Stellen (Bett, Klo, Waffenkammer) dominierte ein knalliges Rot. Verschiedene edle Materialien verbanden sich wirkungsvoll. Teppichleisten aus Messing die über und über mit Power-Sprüchen graviert waren, gaben dem Interior eine durchgehende Linie und einen Hauch von Witz. Die oberste Etage auf der Höhe eines normalen Kellers war wie eine normale, gut gemachte Wohnung: Küche, Bad, großes Bett usw. Die zwei Etagen darunter bildeten zusammen eine Wohnung, wobei der obere Teil mittig eine Galerie bildete von der aus man auf die Etage darunter blicken konnte. In diesem Kelleratrium befand sich der luxuriöse living-room dessen Kernelement ein sehr großes weißes Ledersofa bildete das Lederfransen bis zum Boden hatte. Eine große rotbraune Rauchglaskosntruktion integrierte einen neumodischen Riesen-Tv mit allem drum und dran: Surround, Fernbedienung, viele Kanäle und Doppelvideorecorder. Zwei große kristallene Rottweiler hockten links und rechts der Couch. Eine ausgestopfte Anakonda wand sich zur Galerie hinauf. Horsts umfangreiche Videosammlung, mit vielen exklusiven Titeln, war durchgängig nummeriert in rotes Leder gebunden und füllte die Rauchglaskonstruktion rund um die technischen Funktionselemente. Das Fell eines Eisbären bildete (symbolisch) eine Brücke zwischen TV und Couch. Jedes Stück verfügte über realen, gesellschaftlichen und persönlichen Wert und hatte seinen ihm eigens zugedachten Platz. Das Badezimmer war durch und durch mit schwarzen hochglänzenden Kacheln versehen. Hochglänzend schwarz waren auch die zwei großzügigen Waschbecken, das Klo und die große Muschelförmige Weltwanne in die ein Whirlpool der Luxusklasse integriert war wie man ihn sonst nur in den Rheumakliniken der Hollywoodstars finden kann. Alle sonstigen Elemente wie Handtuchhalter, Klospülung, Mischbatterie waren vergoldet und hochpoliert.

Die große in kräftigen orangebraun gehaltene Küche wurde dominiert von einem originalen Supermarkt Gefriertruhe, welche die komplette Westwand einnahm. Darin befanden sich allerlei köstliche Fertiggerichte von namhaften Herstellern. Eine Menge davon natürlich von Agrarfrost.Altmodische Herdplatten suchte man vergebens, ebenso wie unpraktisches Porzellangeschirr. Stattdessen gab es eine 1800 Watt Doppelmikrowelle und viele Kartons voller praktischem Wegwerfgeschirr.

Ein kunstvoll in Öl erstelltes Portrait des VW Managers Ferdinand Piech prangte über einem kleinem Plastiktischchen an dem Horst im Allgemeinen zu speisen pflegte. Horst hatte den Mann, den man in der Öffentlichkeit nur den „Rottweiler“ nannte, seit jeher geschätzt und hatte es sich darum anhand eines Zeitungsfotos von einem bekannten Berliner Straßenkünstler anfertigen lassen. Der Mann hatte erstklassige Arbeit geleistet: Augen, Stirn, Mund – alles stimmte. Vieles was Horst aus Museen kannte sah dagegen aus wie Kindergekrakel. Wenn Horst nur an diesen scheinheiligen Kunstbetrieb dachte packte ihn eine kalte Wut. „Eine einzige Verarsche ist das doch nur!“ dachte Horst dann „und skrupellose Geldmacherrei!“. Horst hatte dafür keinerlei Verständnis, dabei hatte er einiges übrig für Kultur. Die Loreley z.B. oder das Brandenburger-Tor mochte Horst sehr und er betonte immer wieder gerne die Bedeutung solcher Kulturdenkmäler, gerade auch in Hinblick auf die nachwachsende Generation. „Kultur ist die Basis der Gesellschaft!“ wäre ein Ausspruch den Horst ohne weiteres unterschrieben hätte. Die ersten paar Tage nach der Fertigstellung seines neuen Unterschlupfes und nach Beseitigung der beteiligten Arbeiter (alles Ausländer, die Horst streng kontrollierte damit sie keinen Murks machen) war Horst so happy das er gar nicht mehr raus wollte. Immerzu guckte er sich alles an und machte sich leckere, mehrgängige Menüs in seiner Doppelmikrowelle, sah sich gute alte Filme in seinem Doppelvideorecorder an oder machte sich einfach mal lang. Auf seiner großen Couch, auf dem dicken Teppich, in der Weltwanne oder – in seinem Weltbett.

Ganz recht: Horst neues Bett war kein herkömmliches 0815 Bett, nein, Horsts neues Bett war etwas ganz besonderes. Ja wie denn nun? mag man fragen. Gemach! Sagen wir mal so: Wenn sie die Möglichkeit hätten von allen Betten die sie kennen, weltweit natürlich, nur das beste zu nehmen um es in eins zu bringen, hineinzutun in ein perfektes Bett, dann könnte man das Ergebnis wohl „Weltbett“ nennen und wenn sie dabei nun alles richtig machen, bei diesem vergleichenden, abwägenden und dann wieder entschiedenen Auswahl- und Konstruktionsprozess, dann ist das was sie danach vor sich haben das was Horst „mein Weltbett“ nannte.

Sie können sich vorstellen, nach drei Tagen ganz allein, angesichts einer solch neuen Perspektive hatte Horst nur noch das eine im Kopf. Er verließ also seinen neuen Unterschlupf, stürzte sich ins Düsseldorfer Nachtleben und als er wieder rauskam hatte er eine junge hübsche Blondine im Arm wie sie ihm gerade recht war. Nicht zu mager und nicht zu fett, jung, aber alt genug und das richtige Schuhwerk trug sie auch. Knielange weiße Nuttenstiefel – dabei war sie Studentin! Wenn das die neue Generation von Studentinnen ist, dachte Horst bei sich, na bitte!

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Eine Antwort to “Action-Horst (11): Endlich ein neuer Unterschlupf”

  1. rollinger Says:

    große Klasse!

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