Action-Horst (13): Kaleb´s Scheißparty

kaleb.jpgDie Information kam alles andere als diskret. Ein großer lackrosa Umschlag steckte in Horst´s Briefkasten. Sein Name stand in großen goldenen Lettern darauf. Horst riss den Umschlag voller Ungeduld auf. Woher wussten DIE wo sein neuer Unterschlupf war? Er war nicht mal gemeldet! Im Innern befand sich eine rosafarbene Karte auf der stand in goldenen Lettern zu lesen:

Kaleb ruft und alle kommen!
Scheich Kaleb Supreme Cock läd Sie, H.O.R.S.T und eine Begleitperson Ihrer Wahl
zur Moonshine Party in die Villa Visconti.
***

Die Karte war stark parfümiert. Horst unterdrückte einen lästerlichen Fluch. Obwohl er innerlich aufgewühlt war, arbeitete sein Gehirn wie eine Maschine. „Na warte!“ dachte Horst. Er würde Lady-X bitten ihn zu begleiten. Hoffentlich hatte sie nicht schon was vor, sie war ja eine vielbeschäftigte Frau. Als Horst mit dem rosa Umschlag in seinen Unterschlupf zurückkehrte machte Anna, die Studentin, große Augen.

„Was was ist das?“ stammelte sie. Natürlich roch sie auch das Parfüm. In ihrem kindischen Köpfchen machten sich Sorgen breit. War da eine andere? „Verschwinde jetzt, Mädchen!“ sagte Horst. Anna glotzte verdattert. Wie in einem letzten Versuch ihn zu halten umschlang sie Horst, aber seine Gedanken waren bereits nicht mehr bei ihr. Er hatte nur noch Kalebs Scheißparty im Kopf. Als sie begriffen hatte, dass das Spiel zuende war, setzte sie sich in ihren zitronengelben Golf und zischte ab. Horst schüttelte den Kopf. Er fand sie zum kotzen. Der Wagen passte zu ihr. Das Problem war er erstmal los. Jetzt musste nur noch Lady-X zusagen und er wäre einen guten Schritt weiter. Lady-X war gleich am Apparat.
„Ich bins. Horst. Wir treffen uns Samstag um Acht vorm Montechristo. Zieh dir was Nettes an. Kaleb gibt eine Party“
„Samstag muss ich leider…“
Aber da hatte Horst bereits eingehenkt. Er hatte viel zu viel Angst Lady-X könnte absagen und er müsste ganz allein dahin und irgend so ein grünes Mädchen konnte er dahin nicht mitnehmen.Samstagabend: Lady-X war schlau genug um zu raffen das Horst auf ihre Begleitung großen Wert legte. Da wollte sie ihn nicht enttäuschen. Nach einer ausgiebigen Shower schmierte sie sich das Gesicht ein: Fruition Extra, Advanced Night Repair, Time-Zone Feuchtigkeitscreme und seven-eleven Augencreme. Während sie sich in ein superenges Nichts zwängte, ließ sie das einwirken. Für ihr makelloses Make-up nahm sie Foundation Creme, Puder, Abdeckstift gegen Augenringe, einen Blusher und einen braunen Augenstift, den sie direkt unter und über den Wimpern auftrug, allerdings mixte sie ihn mit braunem Lidschatten. Anschließend bog sie ihre Wimpern nach oben und nahm noch etwas schwarze Mascara. Dann strichelte sie ihre Augenbrauen nach, zog eine Lippenkontur mit einem ganz natürlichen Stift und malte sie mit beige-rosa Lippenstift aus. Am Ende kam Gloss drauf. Das dauerte nicht mehr als fünf Minuten. Zuletzt schlüpfte sie in ein Paar ultrahohe, silberne Stöckelschuhe. Sie war jetzt eine wunderschöne Frau.Horst wusste was man mit moderner Kosmetika alles anstellen kann, aber er vergaß es immer wieder, um sich der Illusion hinzugeben, das die Schönheit der City-Miezen echt ist. Morgens sahen sie dann meistens mieser aus wie er selbst. Horst trug einen cremefarbenen Anzug, ein cremefarbenes Seidenhemd, eine purpurne Seidenkrawatte, cremefarbene Schlangenlederstiefel und eine große silberne Gürtelschnalle. Große silberne Lettern bildeten ein Wort: ACTION. Seine dichten schwarzen Haare hatte er effektvoll nach hinten pomadisiert. Natürlich war er ausreichend bewaffnet. Eine gute halbe Stunde nach der vereinbarten Zeit stoppte Horst seinen Lexus vorm Montechristo. Lady-x wartete auf ihn. Warten, dachte sie. Es gibt nichts Schlimmeres als das. Horst überreichte ihr Blumen und tätschelte entschuldigend ihren straffen Hintern. Es macht sich übrigens immer gut wenn ein Mann mit Blumen kommt. Horst jagte den Lexus solange durch die dreckigen Vororte von Düsseldorf bis sie Kalebs Villa erreicht hatten.

Wenn Scheich Kaleb Supreme Cock eine Party gab, dann kam die Creme de la Creme von NEW YORK mit dem größten Vergnügen. Alle waren sie gekommen: Schauspieler, Musiker, Politiker, schöne Frauen und Leute mit Geld. Viel Geld. Auch Woody Allan war gekommen, der bekannte Schauspieler und Regisseur in Personalunion. Das lag darin begründet das Kaleb ein ausgesprochen gutaussehendes Exemplar der männlichen Gattung war: Groß, schlank, sportlich und mit einem geradezu umwerfenden Charme ausgestattet, bei dem es fast jede Frau mit einer kribbelnden Gänsehaut vom Scheitel bis zum Stöckelschuh überzog. Und Kaleb hatte Geld, viel Geld. Die überschäumende Party mit Stargästen von Film und Fernsehen fand auf zahlreichen Ebenen statt – im Haus, vor dem Haus, hinter dem Haus, sogar im Swimmingpool und in den drei Gebäudeetagen. Der Rasen war dick wie ein dicker Teppich. Black-Berets, unerschrockende Männer der aus dem Fernsehen bekannten Eliteeinheit, die sich ihren Ruf vor allem durch das Abschlachten von klapprigen, bolivianischen Drogenbauern erworben haben, standen zum Schutz der Stars und Möchtegernstars im Vorgarten der Villa. Kein Mensch traute ihnen jene Wachsamkeit zu, die sich dicht unter der Oberfläche ihrer zur Schau getragenen Gleichgültigkeit verbarg. Ein Gedankenblitz fegte durch Horst´s Oberstübchen. Diese Blödmänner, dachte er. Dann setzte er sein Filmstarlächeln auf. Er konnte sich das leisten, er hatte makellose Zähne und ein rosiges, beinahe noch jungendlich anmutendes Zahnfleisch. Lady-X trug ein ochsblutfarbenes Nichts an ihrem Körper, das ihre Schlankheit nur noch unterstrich.

„Schau da! Bert Milton, der Produzent!“ sagte Lady-X, die sich in der Szene bestens auskannte. Ein weißer Rolls-Royce war soeben vorgefahren.
„Das ist einer der siebzehn Wagen, die Bert sein eigen nennt. Al Jerome, ein ehemaliger Catcher, steuert den Schlitten. Emin Botztepe, ein ehemaliger Straßenkämpfer aus Wuppertal, fungiert als Berts Leibwache“ erklärte Lady-X weiter.
„Und wer ist das?“ fragte Horst angesichts eines orangeblonden Mädchens mit trotziger Miene, das sich bei Mr. Milton untergehakt hatte.
„Das ist Simoné alias Barbie – eine ungarische Aktresse…“
„Ah!“ Sie hatte eine geschmeidige, sportive Figur und nur ganz wenig Busen, dafür aber das Gesicht einer Puppe, wie Horst noch kein schöneres, intelligenteres, ausdrucksstärkeres gesehen hatte.

„Sie spielte mit wechselnden Erfolg kleine und mittlere Rollen, aber der Durchbruch wollte ihr nicht so richtig gelingen.“ Erklärte Lady-X.
„Gut… Lass uns reingehen. Ich muss mir den Gaumen anfeuchten…“
Der Living-Room war groß und teuer eingerichtet. Das Bild das sich ihnen bot erinnerte Horst an eine grell-bizarre-film-noir-hommage. Girls, Girls, Girls – wohin man auch sah. Dazwischen Champagner, Kaviar, Austern, Hummer, Seepferdchen, Wurst, Käse, Sülze, schwäbische Maultaschen, Kartoffelsalat, Appetithäppchen, Stars und Möchtegernstars, Leute aus der grauen Finanzwelt, verarmter Adel (der sich noch mal rausgeputzt hatte) und korrupte Politiker aus dem Dunstkreis von NEW-YORK. Überwiegend Rheinländer. Echte oder zugezogene. Horst orderte von einem der Service-Girls einen Whiskey-Cola und leerte ihn einem Zug. Ahh – das tat gut. Lady-X nippte an einem Champagnerkelch den sie zwischen ihren sexy rotlackierten Fingern hielt.

„Und was ist das für ein Arschgesicht?“ fragte Horst angesichts eines strahlenden Mitfünfzigers, der aussah wie ein erleuchteter Maratonläufer oder ein durchgeknallter Legionär.
„Das ist Ole Nightingdale. Nach außen hin ein angesehener Buddhist, doch hinter der unscheinbaren Fassade soll sich ein ganz mieser Charakter verbergen…“
„Wo wohnt der Mann?“
„Natürlich in einem Penthouse mit allen Schikanen“ Lady-X verdrehte die Augen und schüttelte ihre rechte Hand als hätte sie sich verbrannt. Ui-jui-jui, sollte das heißen. Horst hatte verstanden. Der falsche Buddhist ließ sich von einem Girl ein Getränk reichen. Lady-x folgte Horsts Blick.

„Coca-Light. Nightingdale trinkt nur Coca Light.“ Diese verflixte Lady wusste einfach alles! Wie zum Dank kniff Horst ihr in die Backe. Als wären sie ein echtes Paar spazierten sie durch die illustre Gesellschaft. Ein Arschloch schien sich an das andere Arschloch zu reihen – ohne die appetitlichen Girls wäre es Horst wie eine endlose Reihe von Arschlöchern erschienen. Von Kaleb, diesem Schwein, fehlte bisher jede Spur. Dann ein Lichtblick.
„Das ist doch!“ stieß Horst erstaunt hervor.
„Richtig. John Denver“.
„Er sieht scheiße aus…“
„Ja“
„Meine Güte John! Ich muss ihn begrüßen, warte hier auf mich!“
John Denver meine Fresse… Horst konnte es immer noch nicht ganz fassen. Man tuschelte John wäre im Osten umgepolt worden. Das sagte sich so einfach. Aber dahinter steckten Folter, Drogen, Injektionen, die den Willen hemmten, Gehirnwäschen, unzählige Nächte ohne Schlaf, Verhöre, Psychaterkonsultationen, Hypnose und schlechtes Essen. Es war also kein Wunder das John scheiße aussah. Sie hatten ihn umgedreht und wieder umgedreht. Es gab nicht viele die es schafften, aus eigener Kraft da wieder rauszukommen. Dann hatte er ihn erreicht. Von nahen sah er noch schlechter aus. Dennoch: Horst hatte ihm viel zu verdanken – was hatten sie nicht alles zusammen erlebt! Natürlich auch Weibergeschichten.
„John!“
„Horst!“ seine Stimme klang rau und schwach, aber er bemühte sich Freude reinzulegen.
„Mensch Meier John Denver alter Junge! Lange nicht gesehen! Was haben sie denn mit Dir gemacht!?“

Da begann der alte John zu erzählen. Von den Gehirnwäschen, den Injektionen, den Psychaterkonsultationen, dem schlechten Essen, von vollgeschissenen Hosen, Ungeziefer, seiner Flucht, von guten Freunden, die er damals so dringend gebraucht hätte, die ihn aber fallen gelassen hatten, das es seither auch mit den Frauen nicht mehr klappen würde und das wo er doch früher immer konnte und und und…aber das vernahm Horst längst nur noch wie durch eine dicke Pudelmütze. Seine Aufmerksamkeit war über Johns Schulter gesprungen, wo ein paar Meter weiter das orangeblonde Mädchen, Simoné, einsam an einen Cocktail nippte… Sie war ein Traumwesen das zu Fleisch und Blut geworden war. Soviel war mal klar. Er musste an den schönen Song aus dem Film mit dem knuddeligen Pferdchen denken: LAST UNICORN lalala… Etwas wallte in ihm auf.
„Horst? Hörst Du mir überhaupt zu?“
„Ja John. Ich hab Dich verstanden. Ein Rat unter alten Freunden: Nimm Dir eine nette anspruchslose Frau und setz Dich mit ihr zur Ruhe. Deine Zeit ist vorbei. Die haben Dich kaputt gemacht die Schweine, aber damit musst Du jetzt fertig werden! Lass den Kopf nicht hängen John, aber ruf mich bitte nicht an. Der Boden ist gerade heiß. Du weißt was ich meine…“
„Klar Horst. Dank Dir auch…“

Puh, den war Horst los. Mann hatte der scheiße ausgesehen. Horst wollte gerade zu der einsamen Simoné rübergehen, da sah er mit einem leichten Unbehagen, dass ihm der falsche Buddhist zuvorgekommen war. Das würde die Sache nicht leichter machen, zumal dieser Nightingdale nun den Bonus desjenigen hatte, der sie aus der Einsamkeit befreit hatte. Ein Schweißtropfen rann Horst wie in einer Vorahnung der vor ihm stehenden Aufgabe durch die Brauen und brannte ihm in seinen Augen. Hastig wischte er ihn weg. Scheißtropfen, zischte er. Dieser Nightingdale wollte das Mädchen doch nur in die Kiste bekommen! Horst hatte einen Blick für solche Sachen. Soviel Horsts messerscharfer Blick erkennen konnte schien das Mädchen zumindest amüsiert über das Gequatsche des Möchtegernbuddhisten. Wie gebannt blickte sie ihn mit großen Augen an. Höchste Zeit einzugreifen! Lässig schlenderte Horst heran und baute sich neben den beiden auf. Zufrieden stellte Horst fest, dass der Möchtegernbuddhist kleiner, älter und hässlicher als er selbst war. Horst brauchte jetzt nur noch einen Einstieg und dann würde er diese falsche Esoterik Schwuchtel von der Platte putzen. Horst sah sich um. Auf einer kleinen Bühne wurde musiziert und damit -zack!- hatte es Horst. „Happy Sound – so eine scheiße!“ sagte er so laut, dass es die beiden nicht überhören konnten. Zufrieden bemerkte Horst das Simoné für einen Moment aufgeschaut hatte. Zu Horst. Sie hatte ihn also gehört. Höchste Zeit nachzulegen.
„Happy Sound kann sogar ein kleiner Lümmel spielen, der noch feucht hinter den Ohren ist, wenn er nur die elektrisch verstärkte Gitarre halten kann!“ kommentierte Horst, wobei er die Stimme noch ein bisschen mehr anhob.
Er wollte ganz sicher sein. Wieder sah Simoné auf, aber nur um anschließend ihre ganze Aufmerksamkeit erneut an der Eso-Tunte zu vergeuden. Das gibt’s doch gar nicht – dachte Horst. Er musste einen Trick anwenden. Er tippte dem Mädchen einfach auf die Schulter und sagte: „Sie müssen Simoné sein?“
„Ja“
„Sagt Ihnen der Name Mel Gibson was?“
„Ja!“
„Clint Eastwood? Merrill Streeb? Robert Redford?“
„Oh ja!“
„Patrick Duffy?“
„Patrick..? Sie sind ein Mann von Welt, nicht wahr? Mister…?“
„Wenn ich mich vorstellen darf: Ich bin Horst Goldberg jüdischer Filmproduzent aus den vereinigen Staaten von Amerika. Wenn ich mir eine Bemerkung erlauben darf: Sie haben ein ganz bezauberndes Puppengesicht. Mit dem richtigen Produzenten an ihrer Seite und einer guten Geschichte könnten sie der Star von morgen sein!“
Ihr Mund stand offen wie ein offenes Scheunentor. Horst hätte darin jetzt gerne seinen Mähdrescher geparkt. Ihre Wangen glühten. Horst lächelte in sich rein. So geht wegputzen! dachte er bei sich – und das war ja erst der Anfang!
„Horst Goldberg? Wo sagten sie kommen sie her?“ mischte sich die Schwuchtel wieder ein.
„Goldberg. Amerika. Und jetzt halt Dein Maul sonst kriegst Du was hinter die Ohren!“ zischte Horst absichtlich so laut das Simoné es hören konnte, denn Frauen wollen letztlich immer den stärkeren haben, wenn´s drauf ankommt.
Das wirkte. Die Schwuchtel räumte das Feld.
„Simoné, lassen sie uns in einen anderen Raum gehen. Diese Happy-Musik macht einen ja ganz krank“. Horst bot ihr seinen starken Arm zum unterhacken. Selbstzufrieden stellte er fest wie sich ihre kleine weiche Hand an seinen großen Bizeps schmiegte. Es war deutlich zu spüren wie sie in Gegenwart seiner urwüchsigen Muskelkraft dahinschmolz.
Ein Service-Girl kam mit einer Wurstplatte vorüber. Horst nahm sich ein lecker aussehendes Hackepeterbrötchen und stopfte es sich in den Mund. Zielsicher steuerte er das exklusive Privatkino des Scheichs an. Hier gab´s Wunschfilme für jeden Geschmack. Als sie das kleine Luxuskino betraten lief gerade eine dieser billigen Sexklamotten.
„Oh!“ sagte das Mädchen.

Horst musste die Sache selber in die Hand nehmen. Irgendwo musste doch dieser verdammte Filmvorführer stecken. Den hatte Horst schnell gefunden. Der amüsierte sich im Vorführraum mit einem der Service-Girls. Horst packte das Mädchen und schmiss es raus. Der Vorführer schimpfte. Horst knallte ihm eins links und rechts hinter die Ohren das sie ganz rot wurden, aber dann zeigte der Bubi die nötige Aufmerksamkeit.
„Was wollen sie Mann?“ jammerte der Bubi.
„Ich will einen guten Film sehen und nicht so einen Mist, hast Du mich verstanden?“
„Ja Mann! Was wollen sie den nu?“
Horst musste überlegen. Safari-Family! Scheiße das ist ja Fernsehen. Kino, momentmal… Mani der Hai-Ringer! Das war sein Liebslingsfilm, genau, da gab es auch eine tolle Knutschszene mit einer dummen Blonden am Strand, das würde Simoné gefallen, aber dann fiel Horst was fiel besseres ein. Er staunte über sich selbst.
„Bubi, hast Du einen Film mit Simoné da. Simoné alias Barbie.
Der orangeblonde Star, Du weiß schon“
„Hm… Ach die! Klar!“ das Bübchen strahlte bis über seine beiden Glutöhrchen. „Welchen wollen sie denn sehen, hehe?“
„Den besseren natürlich!“, sagte Horst und zwinkerte der Tunte zu.
„Geht klar!“

Simoné hatte schon einen schönen Platz für sich und Horst ausgesucht. Die hatte er so gut wie in der Tasche, soviel stand fest. Dann ging’s los. Schon als der Titel erschien wurde Simoné nervös. Die Darstellernamen wurden eingeblendet: Mustafa Muslim, Jack Longitudo, Bruno Burundi und Barby. Gemeint war natürlich Simoné – dank Lady-X kannte er ja ihren Künstlernamen. Horst legte seinen starken Arm um sie und genoss ihr süßes Zittern das als feine Vibration über seinen Arm in seine Eier übertragen wurde. Prima. Dann erschien Simoné auf der Leinwand. Sie trug einen hübschen, bunten Strickpullover und stapfte Hand in Hand mit einem hässlichen Ausländer durch den Schnee auf die Gondel einer Seilbahn zu. Interessant. Sie machte ihre Sache gut. Das mit dem Bengel der sie an der Hand hatte schmeckte Horst nicht so, aber das war ja alles nur gespielt. Was sich allerdings im folgenden auf der Leinwand abspielte verursachte in Horsts Gehirn ein heilloses Durcheinander. Was Horst nämlich nicht wusste war, dass es sich bei dem Film um einen expliziten Sexfilm handelte. Host musste mit ansehen wie drei ekelhafte Typen mit Simoné, seiner Traumfrau, dem letzten Einhorn, intim wurden – es war grauenhaft. Niemand kann sich vorstellen wie es in diesem Moment in ihm aussah. Aber Horst hielt durch – bis zum Ende. Dann brachen die Dämme. Horst sprang auf, stürmte in den Vorführraum und schnappte sich dieses Schwein von Filmvorführer. Ohne Ansatz drosch er auf den Bengel ein. Mustafa – Jack – Bruno – ununterbrochen hämmerten diese drei Namen in Horst´s heißem Kopf. Immer wilder schlug er wie besessen zu, als wollte er kein Ende mehr finden. Dann schwieg der Bengel – er hatte sein erbärmliches Leben ausgehaucht.
„Horst!“ Ihr Schrei barg Grauen, Entsetzen und namenlose Verzweiflung in sich. Horst hatte nicht bemerkt wie Simoné alias Barby den kleinen Vorführraum betreten hatte. Ihr hübsches Puppengesicht war mit einem Mal teigig geworden, aber sie sollte ruhig sehen was Horst für sie empfand. Oder tat ihr der Bengel etwa leid? Hatte er vielleicht auch?
„Simoné! nanana…“ Horst schloss sie beschützend in seine starken Arme. Er hatte es doch nur für sie getan…und die vielen jungen Mädchen -auch deutsche Mädchen!- die in diesem abscheulichen Geschäft auf so niederträchtige Weise mißbraucht werden. Und wofür? Weil es da draußen zu viele kaputte, impotente Opis und Pickelknaben gibt die gerne bereit sind für solche Drecksfilme Geld auszugeben. Horst hatte seine Hausaufgaben gemacht: Kein Angebot ohne Nachfrage.

„Was haben sie getan!“ – wer zum Teufel ist das denn jetzt, dachte Horst, bevor er zur Tür blickte. Ach scheiße, der Buddhist. Als die immer noch kreidebleiche Simoné diesen bemerkt hatte, riss sie sich von Horst los und stürzte heulend in dessen Arme. Horst verstand die Welt nicht mehr. Diese Weiber sind undurchschaubar. Aber das war erst der Anfang. Horst Gedankenmaschine geriet unter Druck und irgendwo würde der raus müssen.
„Sie sein schräcklich Mörder! Das war ein Mensch!“ brüllte der falsche Buddhist mit rotem Kopf. Horst hörte ihn nur noch schwach. Seine integrierte Pudelmütze war mal wieder aktiv geworden. In diesem Fall diente sie als schlichter Dreckfilter. Er mußte sich neu formieren, einen Plan schmieden und ernst machen. Ins Zentrum vordringen und die Verantwortlichen eliminieren. Wenn das Herz tot ist sterben auch alle anderen Organe. Ab da ging alles sehr schnell: Horst stürzte los und schlug dem falschen Buddhisten seine große Faust ins Gesicht. Die Wucht zertrümmerte ihm das Nasenbein und katapultierte ihn raus und dann noch eine Treppe runter. Das Mädchen hielt sich bleich und zitternd an der kahlen Wand fest. Horst würde sich später um sie kümmern. Eine heiße Schokolade würde sie schon wieder aufrichten, am besten natürlich genossen in Horst´s Weltwanne und dann…aber erstmal musste die Sache hier zuende gebracht werden. Horst stürzte in den Living-Room. Seine Augen rasten durch die illustre Gesellschaft. Bei der Cocktailbar wurde er fündig: John Denver. Der rechte Mann am rechten Ort zur rechten Zeit. Horst eilte zu ihm.
„John. Hör mir jetzt gut zu“ flüsterte er ihm ins Ohr „wir sind in eine Falle geraten! Alles was Du hier siehst, ich meine wirklich ALLES ist nur für uns inszeniert, aber mehr noch wie mich wollen sie Dich!“
„Wer zum Teufel Horst, sag schon, wer will mich?!“ stotterte John.
„Der Osten! Sie wollen Dich wieder holen!“
„Oh mein Gott!“
„Ja John, aber Gott wird Dir nicht helfen! Sie werden Dir das ALLES NOCHMAL antun: die Gehirnwäschen, die Injektionen, das endlose auf dich Einreden und Einreden, das schlechte Essen, die vollgeschissenen Hosen…“
„Nein…Horst hilf mir!“
„Natürlich helfe ich Dir! Ich werde raus gehen und da alles klar machen. Ich muss die Wachen – das sind natürlich keine echten Black-Berets sondern Ossis die sie so angezogen haben – umbringen und einen Fluchtwagen besorgen, während Du Dich um die Schweine hier drinnen kümmerst, aber erst wenn ich draußen fertig bin, verstanden? In genau drei Minuten ok?“
„Ja! Aber… “
„Nimm das!“ sagte Horst und steckte John eine automatische Mini-Maschinenpistole mit zwei Ersatzmagazinen und eine Handgranate zu.
„Danke Horst! Das werde ich Dir nie vergessen! Vorhin dachte ich schon, ehrlich gesagt…“
„Ach was! Vergiss es! Ist doch Ehrensache!“
Dann schnappte sich Horst Lady-X („frag nicht, wir müssen gehen, so als wäre nichts“) und zusammen verließen sie Kalebs Party.
„Wollen sie schon gehen?“ fragte die Torwache.
„Ja, meiner Frau“ Horst deutete auf Lady-x „geht’s nicht gut!“.
Kaum als sie aus dem Tor waren, hörten sie das rattern der Maschinenpistole und nur kurz später Geschrei und dann noch mehr Schüsse und noch mehr Geschrei und dann einen lauten Knall. Die Handgranate.
„Was ist da los?“ fragte Lady-X
„John ist wieder durchgedreht“ sagte Horst knapp.
„Ach du scheiße! Aber es musste ja so kommen…“.
„Du hattest Recht. Sie haben ihn umgedreht und wieder umgedreht…“
„Er sah auch nicht gut aus“
„Er sah scheiße aus!“

Dann lachten sie. Ja, John sah scheiße aus und jetzt war er tot. Die Black Berets hatten ihn erschossen nachdem er den halben Living-Room abgeschlachtet hatte. Ein Großteil der Düsseldorfer Schickeria hatte dran glauben müssen. Den toten Filmvorführer fand man natürlich auch, ebenso den toten Buddhisten, der sich beim Treppensturz das Genick gebrochen hatte, aber wenn interessierte das schon angesichts eines solchen Blutbads.

Simoné´ hatte von all dem einen schweren Nervenschock davongetragen. Ihre Kariere als Schauspielerin war damit ebenso beendet wie die Chance auf ein normales Leben in ruhigen Bahnen. Sie landete in einer Irrenanstalt. Und da ist sie nun. Redet wirres Zeug, erkennt niemanden wieder, weint und versucht sich den Kopf an der Wand einzurennen. Natürlich dachte Horst noch mal an sie, mit Wehmut, wo er sie doch so gerne mal gehabt hätte. Beruhigen vermochte ihn bei solchen sentimentalen Gedankenspielen nur die Erkenntnis, dass sie durch all die Drogen die man in solchen Anstalten immer bekommt und das ständige Kopf an der Wand einrennen und natürlich vor allem durch das Irrsein an sich, sicher nicht mehr so hübsch aussah wie an diesem Abend, auf Kalebs-Moonshine-Party und sie ganz sicher auch nie mehr so hübsch aussehen würde. Zugegeben, das Schicksal hatte ihr übel mitgespielt, aber jeder hat sein eigenes Päcken zu tragen und muss zusehen wie er damit zu Recht kommt. Gerecht? Wer will Gerechtigkeit verlangen in einer Welt wo Kinder Kinder machen, rauchen und frech zu ihren Eltern sind. Wo verunsicherte Jungs auf die schiefe Bahn geraten und homosexuell werden. Wo Politiker korrupt sind und Popstars Drogen nehmen – wer bitteschön will da Gerechtigkeit verlangen? Na also!

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Eine Antwort to “Action-Horst (13): Kaleb´s Scheißparty”

  1. börp Says:

    manchen leuten ist einfach zu langweilig.

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